Richtiges Lüften im Schlafzimmer – eine Exkursion in die Physik

Das Schlafzimmer sollte, mehr noch als andere Wohnräume, gründlich gelüftet werden. Doch auch Bettdecken, Matratzen und Bettgestelle unterliegen den Eigenschaften der Physik. Das macht das Lüften im Schlafzimmer schwieriger, als es auf den ersten Blick erscheint. Durch die verschiedenen physikalischen Möglichkeiten, Wasser aufzunehmen, unterscheiden sich warme und kalte Luft deutlich. Das wirkt sich auf die Kondensation aus, und die will man im Schlafzimmer nicht haben.

 
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Zunächst die Grundlagen des Lüftens

Warme Luft kann erheblich mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft. Das führt dazu, dass im Sommer alles so schön schnell trocknet. Die Luft nimmt die Feuchtigkeit aus der Umgebung auf und trägt das Wasser. Im Herbst, in der nassen Jahreszeit, ist die Luft viel trockener. Das klingt zunächst unlogisch und man fragt sich: „Warum trockener? Es ist doch alles nass draußen?!?“

Ja, auf den ersten Blick kommt uns alles viel nasser vor. Aber gilt das auch für die Luft? Nein, denn, wie oben schon erwähnt, kann die Luft selbst bei geringerer Temperatur viel weniger Feuchtigkeit aufnehmen als bei höherer. Das liegt an dem verminderten Haltevermögen der Luft. Das Wasser kann nicht mehr von der Luft getragen werden und wird „abgelegt“ in Form von Feuchtigkeit als feine Tröpfchen (Kondensation). Deshalb ist alles nass draußen. Jeder hat schon mal eine kalte Flasche aus dem Kühlschrank geholt. Gerade im Sommer beschlägt diese Flasche sehr schnell mit Wasser. Das liegt an der Luft, die in der Nähe der Flasche rapide abgekühlt wird und die das Wasser nicht mehr tragen kann und auf der nächstgelegenen Fläche ablegt – der Flasche.

Jetzt zum Lüften des Betts

Genau diese Eigenschaften von Wasser und Luft muss man im Schlafzimmer beachten. Wenn wir abends ins Bett gehen, erwärmen wir die Schlafhöhle zwischen Bettdecke und Matratze sowie auch die Matratze und die Bettdecke selbst. Für ein schönes Schlafklima sorgt dann ein offenes Fenster. Zustand morgens: Die Betthöhle mit Bettdecke und Matratze ist schön warm und voll mit Feuchtigkeit, die wir nachts abgegeben haben (die Angaben schwanken zwischen 200 ml und 700 ml pro Nacht und pro Person). Das offene Fenster hat mit der kalten Luft von draußen vor allem die Bettunterseite abgekühlt. Da wir nun aufgestanden sind, sinkt langsam die Temperatur im Bett, die Luft wird kälter und muss die Feuchtigkeit loswerden. Das macht sie am ehesten dort, wo es kalt ist – an der Bettunterseite. Der Rest verteilt sich weiter in der Matratze. Am Abend gehen wir wieder ins Bett und liefern neue Feuchtigkeit. Diese sucht sich am nächsten Morgen wieder einen Ort, wo sie sich ablegen kann. Sollte dies regelmäßig passieren, entstehen Stockflecken an der Unterseite der Matratze.

Ein Problem bei Kaltschaummatratzen – Liegekuhlen durch Feuchtigkeit

Feuchtigkeit lässt Kaltschaummatratzen weich werden. Erst wenn sie wieder trocken sind, ist die volle Tragfähigkeit wiederhergestellt. Je hochwertiger eine Kaltschaummatratze ist, desto geringer ist dieses Problem – aber ganz weg ist es nicht. Das bedeutet, dass ungenügend getrocknete Kaltschaummatratzen ausgeprägte Liegekuhlen entwickeln. Einige Menschen werden das Phänomen kennen: Man legt sich abends ins Bett und die Matratze fühlt sich gut an. Morgens wacht man allerdings in einer Kuhle auf. Am Abend legt man sich wieder ins Bett, liegt gut und denkt: „Die Matratze liegt sich gut, das lag wohl an mir …“ Bei Taschenfederkernmatratzen, die eine Schaumstoffpolsterung haben (das sind fast alle), besteht dieses Problem auch. Es ist jedoch deutlich geringer, da die Schaumstoffpolsterung in der Regel nur 2-3 cm dick ist und es nicht so sehr auffällt, wenn diese platt ist.

Wie lüfte ich das Schlafzimmer und die Betten denn nun richtig?

Richtig gutes Lüften bedarf kalter Luft, die erwärmt wird (um möglichst viel Wasser aufzunehmen), und Luftbewegung, um die „satte“ Luft wegzubewegen. Im Winter heißt das: morgens nach dem Aufstehen die Bettdecke gut aufschütteln und zurückschlagen. Dann kurz stoßlüften und Heizung an. Wenn der Raum warm geworden ist, Heizung aus und noch einmal kurz stoßlüften. Jetzt wird die warme „nasse“ Luft gegen kalte trockene ausgetauscht. Wie oft das gemacht werden sollte, hängt von dem Schlafzimmer und dem Schläfer ab. Je kleiner das Schlafzimmer und je mehr die Schläfer schwitzen, umso gründlicher muss gelüftet werden.
Im Sommer: Bettdecke aufschütteln und zurückschlagen, Fenster auf und durchlüften, am besten morgens, wenn die Luft noch etwas kühler ist. Da im Regelfall der Unterschied zwischen warm und kalt im Sommer geringer als im Winter ist, ist die Kondenswassergefahr im Sommer auch geringer als im Winter. Trotzdem muss auch im Sommer gründlich gelüftet werden.

Und wie das Boxspringbett lüften?

Alle reden vom Boxspringbett und man sollte auch darüber etwas wissen, damit man richtig Lüften kann. Wenn ein Boxspringbett eine gute Qualität hat, dann besteht es im Wesentlichen aus Taschenfeder- bzw. Federkernelementen. Die Matratze und die Untermatratze sind dann mit vergüteten Stahlfedern ausgestattet und mit hochwertigen Polstermaterialien gefertigt. Dieser luftdurchlässige Aufbau wird durch den Körper des Menschen der darauf schläft wie ein Blasebalg belüftet. Taschenferderkernmatratzen und somit auch Boxsprinngbetten haben einen sehr hohen Anteil an Luft und sind somit die am besten belüfteste Matratzenbauart. Trotz alledem ist Wärme und Luftbewegung auch hier ganz wichtig damit die Trocknung auch funktioniert, ohne Wärme und Luftbewegung wird auch die beste Matratze nicht trocken.

Tagesdecken oder Plaids sollten warten

Grundsätzlich sollten Tagesdecken nicht gleich nach dem Aufstehen auf das Bett gelegt werden, das Trocknen des Bettes und der Bettdecken und Kissen wird dadurch gehemmt. Das Fenster immer geöffnet zu lassen, ist besonders im Winter falsch, weil die Luft nicht die Möglichkeit bekommt, sich aufzuwärmen und die Feuchtigkeit aufzunehmen. Man kann ruhig die ganze Nacht das Fenster aufhaben, sollte aber morgens das Schlafzimmer einmal richtig gut aufheizen und lüften.

Und der beste Nebeneffekt des Lüftens betrifft besonders die kleinsten unserer Mitbewohner in Bettdecken, Kissen und Matratzen. Die Milben, die am liebsten warme und feuchte Luft zum Leben haben, fühlen sich in frischer Luft nicht wohl. Eine gut durchgetrocknete und belüftete Matratze ist keine gute Wohnumgebung für Milben.

Wer sich also ein kleines bisschen mit der Physik von Luft und Feuchtigkeit auskennt, kann leicht für ein besonders behagliches Schlafklima sorgen. Die richtige Belüftung des Schlafzimmers schafft allerdings nicht nur ein angenehmes Raumklima, sondern ist ein entscheidender Hygienefaktor in der Wohnung.